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SchĂŒler zu Besuch in der Stadtbibliothek, 10/2015

Im Rahmen der Leseförderung beteiligen sich die SchĂŒler der 6. Klassen des Gymnasiums Fridericianum in Rudolstadt zur Zeit am Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

Bis zum Dezember wollen sie die besten Leser der Klassen ermitteln, die dann gegeneinander antreten werden, um die Schulsieger zu wĂ€hlen, die sich dadurch wiederum fĂŒr die nĂ€chste Wettbewerbsstufe qualifizieren. Die Jungen und MĂ€dchen stellen sich im Rahmen des Unterrichts gegenseitig ihre LieblingsbĂŒcher vor und lesen daraus.

Ein schönes Erlebnis inmitten dieser Aktion ergab sich jetzt fĂŒr zwei der 6. Klassen: Sie konnten in der Aula der Stadtbibliothek von Rudolstadt einer Schriftstellerin lauschen, die ihnen aus ihrem eigenen, selbst geschriebenen Kinderbuch vorlas.

Nach der BegrĂŒĂŸung durch Petra Wittekind, der Leiterin der Kinderbibliothek, stellte Annette Seemann die von ihr gemeinsam mit Ulrike MĂŒller verfassten „Lebensgeschichten der Herzogin Anna Amalia“ (so der Untertitel) vor, die 2014 als Kinderroman unter dem Titel „Das MĂ€dchen im Schloss“ veröffentlicht worden waren. In der spannenden Lesung erfuhren die SchĂŒler, wie das Leben der heranwachsenden Adligen, die spĂ€ter das kulturelle Leben Weimars förderte und forcierte, wodurch die Stadt bis heute geprĂ€gt ist, um die Mitte des 18. Jahrhunderts aussah. Das Leben der Prinzessin war gar nicht so rosig und schön, wie es z. B. durch MĂ€rchenfilme in der Kinderfantasie erweckt wird, sondern es folgte strengen Benimm-Regeln und einem straffen Stundenplan, in dem die umfassende Bildung durch Erzieher und Lehrer eine wichtige Rolle spielte. Außerdem wurde das MĂ€dchen wegen einer Behinderung, Anna Amalie hatte einen Buckel, von ihrer Umgebung zurĂŒckgestoßen und selbst von der eigenen Mutter als „Ausschuss der Natur“ bezeichnet. Zwischen Eltern und Kindern bestand keine liebevolle Beziehung, wo Kinder in den Arm genommen wurden, wie das heute fĂŒr uns selbstverstĂ€ndlich ist. Die schön anzusehenden Kleider auf den GemĂ€lden von damals waren eher unbequem und unpraktisch zu tragen.

Nach der Lesung gab die Schriftstellerin auch einen kurzen Einblick in ihren Werdegang und ihre TĂ€tigkeit. Die SchĂŒler stellten viele Fragen und erfuhren, dass Annette Seemann schon verschiedene BĂŒcher fĂŒr Erwachsene geschrieben hat. Sie waren erstaunt zu hören, dass die Schriftstellerin bei disziplinierter Arbeit mehrere Jahre braucht, um ein Buch zu beenden. Dem Schreibprozess gehen nĂ€mlich langwierige, grĂŒndliche Recherchen in Archiven und intensive GesprĂ€che mit Fachleuten voraus. Anna Amalia wandte Annette Seemann sich zu, weil diese so kunstinteressiert war. Sie konnte z. B. vier Instrumente spielen. Als erwachsene Frau errichtete sie in Weimar die heute nach ihr benannte Bibliothek und machte Theaterveranstaltungen fĂŒr einfache Leute zugĂ€nglich.

Die Idee zu ihrem Buch hatte die Schriftstellerin, als ein BuchhĂ€ndler in Weimar ihr erzĂ€hlte, dass ein Vater fĂŒr seine Tochter ein Buch ĂŒber Anna Amalia suchte, das es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gab. Jetzt ist eines auf dem Markt, und vielleicht wird der eine oder andere SchĂŒler aus den 6. Klassen es sich besorgen und ganz lesen.

B. Abt, 10/2015

Impressionen