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Der Himmel im Juni

Die Sonne

Die Sommersonnenwende naht. Am 21.06. passiert die Sonne 04:32 Uhr MEZ den Gipfel ihrer Jahresbahn und erreicht gleichzeitig ihren mittäglichen Höchststand über dem Horizont von 63,4°. Der astronomische Sommer beginnt. Die Sonne geht am 01.06. um 5.16 Uhr auf und 21.21 Uhr unter (MESZ). Am 30.06. ist Sonnenaufgang 5.14 Uhr und Sonnenuntergang 21.33 Uhr (MESZ). Aufgrund der späten Sonnenuntergänge ist eine abendliche Beobachtung erst ab zirka 23:00 MESZ möglich. Bereits gegen 3:30 Uhr (MESZ) beginnt die Morgendämmerung. Sonnenbeobachter sind eindeutig im Vorteil und sehen eine Sonne deren Aktivitäten allmählich zunehmen. Informationen im Internet unter: http://www.sonnen-sturm.info . Am 10. Juni kann von Mitteleuropa eine partielle Sonnenfinsternis beobachtet werden. Allerdings liegt der Bedeckungsgrad in unserer Region im Maximum nur bei ca. 11%. Die Finsternis beginnt gegen 11:30 Uhr, erreicht ihr Maximum zwischen 12:15 Uhr und 12:45 Uhr und endet zirka 13:30 Uhr (alles MESZ). Beobachtungen nur mit geeigneter Technik! Niemals ungeschützt direkt in die Sonne sehen!

Der Mond

Am 02.06. zeigt sich der Mond im letzten Viertel, am 10.06. ist Neumond, am 18.06. steht der Mond im ersten Viertel und am 24.06. ist Vollmond. Die interessantesten Planeten-Mond- Konstellationen stellen sich am 12.06. (Mond bei Venus/ Abendhimmel), am 13.06. (Mond bei Mars/ Abendhimmel) und am 28.06. (Mond bei Jupiter/ Mitternacht) ein.

Gut zu beobachtende Planeten

Venus ist auch im Juni nur in der Abenddämmerung tief am Nordwesthorizont sichtbar. Ihre scheinbare Helligkeit liegt zwar bei knapp -4m, aber einen spektakulären Anblick als Abendstern bietet Venus im Juni noch nicht. Im Teleskop zeigt sich Venus als kleines, fast rundliches Scheibchen.

Mars beendet seine abendliche Sichtbarkeitsperiode. Zum Monatsanfang kann man den roten Planeten noch tief am westlichen Horizont erspähen. Zum Monatsende verschwindet Mars im Dunst der Abenddämmerung.

Jupiter, im Sternbild Wasserman, verbessert seine Sichtbarkeit. Seine Aufgänge verlagern sich im Laufe des Monats in die Zeit um Mitternacht (MESZ). In der zweiten Nachthälfte ist er problemlos auffindbar. Mit einer scheinbaren Helligkeit von -2,6m ist er nach dem Mond das hellste Objekt am Nachthimmel. Im Teleskop können das abgeplattete Scheibchen mit Wolkenbändern, der Große Rote Fleck und die vier größten Monden Io, Ganymed, Kallisto und Europa beobachtet werden.

Auch Saturn wird allmählich zum Planeten der ganzen Nacht. Der Ringplanet steigert seine scheinbare Helligkeit auf 0,4m. Damit ist er im Sternbild Steinbock ein markantes Objekt. Im Teleskop blickt man auf die Nordhalbkugel des Planeten, sieht das geöffnete Ringsystem und den größten Mond Titan sowie den saturnnahen Mond Rhea.

Sterne und Sternbilder am Abendhimmel – besonders lohnende Objekte (Auswahl)

Die Frühlingssternbilder Krebs, Löwe, Jungfrau und Bärenhüter (Bootes) beherrschen den südwestlichen Abendhimmel. Der östlichen Abendhimmel gehört den Sommersternbildern mit Leier, Schwan und Adler. Dazwischen liegen die interessanten Sternbilder Nördliche Krone, Herkules sowie Schlange und Schlangenträger. Tief im Süden zeigt sich der Skorpion in der südlichen Milchstraße.

Tipp 1: Das Frühlingsdreieck bestehend aus den Sternen Regulus im Löwen, Spica in der Jungfrau und Arktur im Bärenhüter prägt den Anblick im Südwesten. Diese Sterne sind sehr verschieden. Arktur gehört zu den fünf hellsten Sternen am irdischen Nachthimmel und ist ein Roter Riesenstern im letzten Lebensstadium. Mittlerweile hat er sich zum 22-fachem Sonnendurchmesser aufgebläht, und seine Leuchtkraft beträgt das 200-fache der Sonnenleuchtkraft. Mit 37 LJ Entfernung ist er der nächstgelegene Himmelskörper dieses Typs. Seine Oberflächentemperatur liegt bei ca. 4.300 K, deshalb erscheint er auch gelborange am Nachthimmel. Vermutlich gehört Arktur zu den Sternen der Population II und ist damit fast doppelt so alt wie unsere Sonne. Spica ist Teil eines komplett anderen Sternentypus. Hier handelt es sich um ein sehr enges und heißes Doppelsternsystem. Komponente 1 von Spica erreicht eine Oberflächentemperatur von zirka 22.000 K, die 13.500-fache Sonnenleuchtkraft und 11-fache Sonnenmasse. Komponente 2 kommt immerhin auf eine Oberflächentemperatur von zirka 18.000 K, 1.700-fache Sonnenleuchtkraft und 7-fache Sonnenmasse. Zum Vergleich: die Sonne hat eine Oberflächentemperatur von 5.800 K. Das System ist zirka 260 LJ entfernt. Aufgrund der großen Masse und der enormen Leuchtkraft werden die Sterne nie das Alter der Sonne oder von Arktur erreichen. Die Prognose für die Gesamtlebensdauer des Systems liegt etwa bei 10 Millionen Jahren. Das Doppelsternsystem lässt sich mit Amateurteleskoptechnik nicht trennen. Regulus bedeute „Kleiner König“ und ist ein Mehrfachsternsystem. Die Entfernung zur Sonne beträgt zirka 78 LJ. Das 50 Millionen Jahre junge System gehört zur Spektralklasse B 7 und hat eine durchschnittliche Oberflächentemperatur von 13.000 K. Regulus leuchtet blauweiß und besitzt ungefähr das 140-fache der Sonnenleuchtkraft. Im Teleskop lassen sich zwei farblich leicht unterschiedliche Komponenten (A 1,4m bläulich/ B 7,9m weiß) gut trennen.

Tipp 2: Kugelsternhaufen beobachten! Der Kugelsternhaufen M 5 gehört mit 10 Milliarden Jahren zu den alten Objekten in Milchstraßennähe. Seine Entfernung wird auf etwa 27.000 Lichtjahre geschätzt. Er findet sich zwischen dem Kopf der Schlange und dem Sternbild Bärenhüter. Mit einem Fernglas ist er als kleines Wölkchen erkennbar, im Teleskop (Sternwarte) entwickelt er seine volle Pracht. Auch nicht entgehen lassen sollte man sich hoch im Südosten das Sternbild Herkules. Hier findet man den spektakulären Kugelsternhaufen M 13, der zirka 25.000 Lichtjahre von uns entfernt liegt. Das geschätzte Alter des Haufens liegt bei ebenfalls10 Milliarden Jahren und er besteht aus rund einer Millionen Sterne. M 13 gilt als größter und hellster Kugelsternhaufen des nördlichen Nachthimmels. Zwischen den Sternbildern Bärenhüter und Jagdhunde liegt der Kugelsternhaufen M 3. Der 34.000 LJ entfernte Haufen besitzt einen Durchmesser von 190 LJ und ist sehr sternenreich. Ab 200mm Teleskopöffnung zeigt er sich von seiner spektakulären Seite. Unweit von Antares findet sich der Kugelsternhaufen M 4. Schon im kleinen Teleskop zeigen sich viele Einzelsterne. Der Haufen liegt für einen Kugelsternhaufen mit 5600 Lichtjahren vergleichsweise nahe, gehört aber mit 55 Lichtjahren Durchmesser eher zu den kleineren Vertretern seiner Art. Sein Alter liegt bei zirka 12 Milliarden Jahren.

Tipp 3: Attraktive Doppelsterne: Albireo. Der zweithellste Stern im Sternbild Schwan ist problemlos mit bloßem Auge sichtbar und zeigt sich schon in kleinen Teleskopen als Sternenpaar mit deutlichem Farbkontrast. Ebenfalls ein deutlicher Farbkontrast findet sich beim Doppelsternsystem 95 Herculis (95 Her) im Sternbild Herkules. Porrima in der Jungfrau zeigt im Teleskop zwei gleich helle weiße Sterne. Der echte Doppelstern ist knapp 40 Lichtjahre entfernt und die Komponenten umlaufen den gemeinsamen Masseschwerpunkt (Baryzentrum) in zirka 170 Jahren.

Tipp 4: Der Juni bietet die gute Gelegenheit, nach Antares im Skorpion Ausschau zu halten. Die Sicht nach Süden sollte allerdings frei sein, da der Stern relativ horizontnah steht. Der rotorange leuchtende „AntiAres“ (Gegenstück zum Planeten des Kriegsgottes Ares/ heute Mars) ist rund 600 Lichtjahre entfernt und zählt zur Klasse der roten Überriesen. Seine Leuchtkraft übertrifft, trotz niedriger Oberflächentemperatur von nur 3000K, die der Sonne um das 40.000-fache und sein Durchmesser würde, übertragen auf unser Sonnensystem, über die Erdbahn hinausragen. Antares ist in der letzten Entwicklungsphase eines Sterns angelangt und wird wahrscheinlich, aufgrund seiner gigantischen Masse (12x Sonnenmasse), als Supernova enden. Sollte dieses Ereignis eintreten, würde sich die Sternenhelligkeit auf Vollmondhelligkeit steigern.